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Panikattacken aus Sicht der TCM

5 Grundmuster können zu Panikattacken führen. Und gegen jedes sind zahlreiche Kräuter gewachsen. Dr. Florian Ploberger stellt die wichtigsten Rezepturen vor.

Die Symptome und Therapie dieser Anfälle ist bereits im „Huang Di Nei Jing“ („der Klassiker des gelben Kaisers“, der vor 2500 Jahren geschrieben wurde), detailliert beschrieben worden. In diesem Werk werden Panikattacken in einem Kapitel mit der Überschrift „das springende Ferkel“ analysiert. Durch den Begriff „das springende Ferkel“ werden die Symptome der Patienten bildlich dargestellt: Ein Ferkel befindet sich im Bauchraum. Durch Sprünge verursacht es Druck auf das Zwerchfell und ein Gefühl der Enge im Bereich des Herzens. Als Therapie wurde damals Schlaf empfohlen.

Differentialdiagnosen:

1. Herz-Blut-Mangel
2. Herz-Yin-Mangel
3. Herz-Feuer
4. Schleim-Hitze verschließt die Herzöffnungen
5. Schleim-Kälte verschließt die Herzöffnungen

1. Panikattacken auf Grund eines Herzblutmangels


Hauptsymptome: Menschen mit einem Herzblutmangel leiden unter: Durchschlafstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisschwäche sowie Palpitationen (Herzklopfen). Sie sind nervös und schreckhaft.

Zungenkörper: blass, speziell im Bereich der Zungenspitze.
Zungenbelag: trocken.
Puls: speziell im Herzbereich dünn (xi) und leer (xu).

Ernährungsempfehlungen: Rindfleisch, Lamm und Wild, Geflügelfleisch (insbesondere Hühnerleber), Datteln, Longanfrüchte, Lycii, mit Rotwein kochen, Petersilie, Wurzelgemüse, Kürbis und Karotten. Zu meiden: scharfe Gewürze, grüner und schwarzer Tee, Kaffee.

YANG XIN TANG

Rdx. Angelicae sinensis (Danggui) 4 g
Rdx. Rehmanniae Präp. (Shudihuang) 6 g
Rdx. Ginseng (Renshen) 3 g
Semen Zizyphi spinosae (Suanzaoren) 4 g
Rdx. Glycyrrhiazae (Gancao) 2 g
Rdx. Rehmanniae viride (Shengdihuang) 4 g
Poriae Cocos (Fuling) 4 g
Rdx. Ophiopogonis (Maimendong) 3 g
Semen Biotae (Baiziren) 3 g
Fr. Schisandrae (Wuweizi) 2 g

Westliche Kräuter:

Weißdornblüten (Flos Crataegi) 8 g
Weißdornfrüchte (Fructus Crataegi) 8 g
Hopfen (Strobulus Lupuli) 2 g
Passionsblüte (Herba Passiflorae) 4 g
Mistel (Herba Visci) 3 g
Rosmarin (Folium Rosmarini) 3 g

Akupunkturpunkte: Tonisieren (Bu Fa): He 7 (Shenmen), Ks 6 (Neuguan), Bl 15 (Xinshu), Bl 17 (Geshu), Ma 36 (Zusanli).

2. Panikattacken auf Grund eines Herz-Yin-Mangels


Hauptsymptome: Patienten mit einem Herz Yin-Mangel leiden unter Nachtschweiß, wobei insbesondere der Bereich der „fünf Herzen“ warm ist.
Weitere Symptome bei einem Herz Yin-Mangel sind: Palpitationen (Herzklopfen), Angst- und Verwirrtheitszustände, Ein- und Durchschlafstörungen.

Die beschriebenen Symptome treten bei vielen Frauen zur Zeit des Wechsels verstärkt auf. Betroffene Patientinnen leiden unter einer Art Teufelskreis: der Schlafmangel und das übermäßige Schwitzen schwächen den Körper. Diese Schwäche wiederum verstärkt die Symptome…

Anmerkung über den Begriff der Hitze der „fünf Herzen“:

Dieser Begriff beschreibt ein Wärmegefühl im Bereich der Handinnenflächen, der Fußsohlen und des Brustkorbes. In der Literatur sind dies die klassischen Symptome eines Yin-Mangels. Im klinischen Alltag verhält es sich jedoch anders: Menschen mit einem Yin-Mangel besitzen ein Gefühl der Hitze im oberen Teil des Körpers, leiden jedoch tagsüber unter kalten Füßen.

Zungenkörper: rot, schmal, Riss im Bereich der Shao Yin Achse (zentral).
Zungenbelag: fehlend.
Puls: oberflächlich (fu), schnell (shuo), dünn (xi), leer (xu) im Herz Bereich.

Ernährungsempfehlungen: wie bei einem Herzblutmangel, vermehrt: Samen und Nüsse, Sojaprodukte, Fisch, Datteln und Longanfrüchte.

TIAN WANG BU XIN TANG

Rdx. Rehmanniae (Shengdihuang) 9 g
Semen Biotae (Baiziren)      6 g
Rdx. Ginseng (Renshen) 4 g
Rdx. Salviae (Danshen) 4 g
Poriae Cocos (Fuling) 4 g
Tb. Asparagi (Tiandong) 6 g
Rdx. Platycodi (Jiegeng) 4 g
Rdx. Angelicae sinensis (Danggui) 4 g
Rdx. Scrophulariae (Xuanshen) 4 g
Fr. Schisandrae (Wuweizi) 4 g
Rdx. Polygalae (Yuanzhi) 4 g
Semen Zizyphi spinosae (Suanzaoren) 6 g
Rdx. Ophiopogonis (Maimendong) 6 g

Westliche Kräuter:

Passionsblüte (Herba passiflorae) 8 g
Hopfen (Strobulus Lupuli) 2 g
Johanniskraut (Herba Hyperici) 4 g
Ringelblume (Flos Calendulae) 4 g
Vogelmiere (Herba Stellaria media) 4 g
Weißdornfrüchte (Fr. seu Flos Crataegi) 6 g
Melisse (Folium Melissae) 5 g

Akupunkturpunkte: Tonisieren (Bu Fa): He 7 (Shenmen), Ni 6 (Zhaohai), Bl 23 (Shenshu), Mi 6 (Sanyinjiao) und Ks 6 (Neiguan).

3. Panikattacken auf Grund eines Herz-Feuers


Hauptsymptome: Patienten mit Herz-Feuer leiden unter Unruhezuständen und Zeitdruck. Diese Patienten können für Ärzte zur Belastung werden, da sie sehr fordernd sein können. Menschen mit Herz-Feuer haben ein unstillbares Redebedürfnis. Alles, auch ihre eigene Heilung, geht ihnen zu langsam.

Wie schon erwähnt, ist Logorrhoe (ein Redeschwall, wobei oft auch Stottern dazukommt) ein Herz-Feuer Symptom. Das Gesicht ist in vielen Fällen rot. Aphthen im Mundbereich und Entzündungen der Zunge sowie Blasenentzündungen bilden sich regelmäßig.

Zungenkörper: Zungenspitze ist knallrot, oft ist diese nach oben gebogen. (Je mehr Hitze, desto ausgeprägter).
Zungenbelag: keine Auffälligkeiten.
Puls: gespannt (xian), voll (shi) und schnell (shuo) im Herzbereich.

Ernährungsempfehlungen: Salate, Joghurt, Sojaprodukte, Fisch, gekeimte Sprossen, Grüner Tee, Pfefferminztee, Magnesium – und Kalziumpräparate. Zu meiden: Rotwein, alle scharfen Nahrungsmittel.

AN SHEN WAN

Cinnabaris (Zhusha) 2 g
Rdx. Angelicae sinensis (Danggui) 6 g
Rdx. Glycyrrhizae (Gancao) 3 g
Rhz. Coptidis (Huanglian) 3 g
Rdx. Rehmanniae viride (Shengdihuang)  12 g

Westliche Kräuter:

Hopfen (Strobulus Lupuli) 3 g
Passionsblüten (Herba Passiflorae) 7 g
Lungenkraut (Herba (Pulmunariae) 4 g
Maishaar (Stigmata Maydis) 8 g
Mistel (Herba Visci) 5 g
Rosenblüten (Flos Rosae) 5 g

Akupunkturpunkte: Sedieren (Xie Fa): He 8 (Shaofu), He 7 (Shenmen), Ks 6 (Neiguan), Ks 7 (Daling), Ks 8 (Laogong).

4. Panikattacken auf Grund von Schleim-Hitze, die die Herzöffnungen verschließt


Hauptsymptome: Lautet die Diagnose: „Schleim verlegt die Herzöffnungen“, so ist die Klarheit des Geistes der Patienten massiv eingeschränkt. Schleim verlegt die Herzöffnungen kann in Kombination mit Schleim Kälte oder Schleim Hitze vorkommen. Bei Vorliegen einer Schleim-Hitze überwiegen Verwirrtheitszustände und manische Zustände. Möglicherweise sind die Patienten gewalttätig.

Zungenkörper: rot.
Zungenbelag: gelbem, dick und feucht.
Puls: gespannt (xian), gleitend (hua), voll (shi) und schnell (shuo).

Oft kommen hier Psychopharmaka zur Anwendung. Traditionell wurde in China das erbrechende Verfahren (Ou Fa) angewandt.

Ernährungsempfehlungen: Zu meiden: gegrillte und panierte Nahrungsmittel, Milchprodukte, Zucker, Süßstoff, Alkohol. Fleisch und Wurst sind einzuschränken.

AN GONG NIU HUANG WAN

Calculus Bovis (Niuhuang) 1 g
Secretio Moschus (Shexiang)    0.3 g
Rdx. Scutellariae (Huangqin) 1 g
Realgar (Xionghuang) 1 g
Rdx.. Curcumae (Yujin) 1 g
Cornu Rhinoceri (Xijiao) 1 g
Rhz. Coptitis (Huanglian) 1 g
Fr. Gardeniae (Zhizi) 1 g
Borneol (Bingpian) 0.3 g
Cinnabaris (Zhusha) 1 g

Magarita (Zhenzhu) 0.5 g

Diese chinesische Rezeptur wird in Pillenform zu je 3 Gramm 2 – 3 Mal täglich verschrieben und eingenommen.

Westliche Kräuter:

Passionsblüten (Herba Passiflorae) 7 g
Weißdornblüten (Flos Crataegi) 7 g
Rosenblüten (Flos Rosae) 7 g
Johanniskraut (Herba Hyperici) 5 g

Akupunkturpunkte: Tonisieren (Bu Fa): Bl 23 (Shenshu). Sedieren (Xie Fa): Ma 40 (Fenglong), He 7 (Shenmen), He 8 (Shaofu), Le 3 (Taichong).

5. Panikattacken auf Grund von Schleim-Hitze, die die Herzöffnungen verschließt


Hauptsymptome: Patienten mit der Diagnose „Schleim-Kälte verschließt die Herzöffnungen“ sind depressiv, verlangsamt, schauen starr vor sich hin, möglicherweise führen sie Selbstgespräche. Verstärkte Sputumproduktion (Speichelfluss).

Zungenkörper: geschwollen und blass.
Zungenbelag: feucht und weiß.
Puls: gleitend (hua) und langsam (chi).

Ernährungsempfehlungen: Zu meiden: Süßigkeiten, Milchprodukte wie Joghurt und Käse.

SU HE XIANG WAN

Styrax Liquidis (Suhexiang) 1 g
Secretio Moschus (Shexiang) 1 g
Rdx. Saussureae (Muxiang) 2 g
Lignum Aquilariae (Chenxiang) 2 g
Flos Caryophylli (Dingxiang) 2 g
Fr. Piperis Longi (Bibo) 2 g
Cinnabaris (Zhusha) 1 g
Fr. Chebulae (Hezi) 2 g
Benzoinum (Anxixiang) 2 g
Borneolum (Bingpian) 1 g
Lignum Santali (Tanxiang) 2 g
Gummi Olibanum (Ruxiang) 1 g
Rhz. Cyperi (Xiangfu) 2 g
Cornu Rhinoceri (Xijiao) 2 g
Rhz. Atractylodis macrocephalae (Baizhu) 2 g

Diese chinesische Rezeptur wird in Pillenform zu je 3 Gramm 2 – 3 Mal täglich verschrieben und eingenommen.

Westliche Kräuter:

Weißdornblüten (Flos Crataegi) 8 g
Weißdornfrüchte (Fructus Crataegi) 7 g
Rosmarin (Folium Rosmarini) 4 g
Arnika (Flos Arnicae) 4 g
Kampfer (Camphora) 3 g

Akupunkturpunkte: Tonisieren (Bu Fa): Ma 40 (Fenglong), Mi 3 (Taibai), Mi 2 (Dadu).

Anmerkung über die „Psychopunkte“

Diese Punkte hat Sun Si Miao im 6. Jahrhundert zum ersten Mal beschrieben. Als Psychopunkte werden psychisch wirksame Punkte bezeichnet. Durch die Nadelung dieser Akupunkturpunkte werden „Schleusen zum Unterbewusstsein“ geöffnet. Chinesisch bedeutet dies, dass das „Yi“ ausgeschaltet wird und der Inhalt des „Hun“ und „Po“ an die Oberfläche kommt.

„Yi“ ist die psychisch wirksame Komponente, die dem Erdelement zugeordnet ist. Dieses reguliert unsere Gedanken. Wird „Yi“ ausgeschaltet, wird der Inhalt des „Hun“ freigesetzt. Mit „Hun“ wird die psychisch wirksame Komponente des Holzelementes bezeichnet. „Hun“ ist so etwas wie der Speicher oder die Festplatte unseres Bewusstseins. Was immer ein Mensch erlebt hat, ist im „Hun“ gespeichert.

Therapeutisch kann es unter manchen Umständen hilfreich sein, mit dem Inhalt des „Hun“ zu arbeiten. Wichtig ist dabei, dass der Patient relativ stabil ist. Deswegen sollte in jeder Akupunktursitzung das Nieren-Qi tonisiert werden. Dazu eignen sich z.B. Punkte wie Ni 3 (Taixi), Ni 7 (Fuliu) und Bl 23 (Shenshu).

Akupunktur ist nur eine Möglichkeit von vielen, mit dem Inhalt des „Hun“ zu arbeiten. Auch in den Träumen wird man mit dem Inhalt des „Hun“ konfrontiert. Aber auch durch Meditationen, Hypnose und Psychoanalyse wird das Yi ausgeschaltet und damit der Inhalt des „Hun“ freigesetzt. Die Psychopunkte gehören in die Hände eines erfahrenen Arztes. Um keinen Schaden anzurichten, bleiben die weiteren Punkte ungenannt.

Literaturempfehlung

Ploberger, F. (2012) Diagnostik und Therapie, Fallbeispiele aus der Praxis der TCM, 2. Auflage, Schiedlberg: Bacopa.

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