Bist Du eine Kaltnase?

Hast Du öfters kalte Füße, ein kaltes Gesäß oder eine kalten Nase? Dann ist dieser Beitrag für Dich...

– Hast Du öfters kalte Füße, ein kaltes Gesäß oder eine kalte Nase?

– Hast Du eine Abneigung gegen die kalte Jahreszeit oder kaltes Wetter?

– Schläfst Du bevorzugt mit Decke, Socken oder sogar Wärmflasche?

– Tut sich Dein Immunsystem schwer, Erkältungen oder Infekte abzuwehren?

– Musst Du häufig auf die Toilette, um Wasser zu lassen?

– Fühlst Du Dich regelmäßig müde oder willensschwach?

– Zeigen Deine Lust und Deine Libido Dir oft die kalte Schulter?


Hast Du mehrere dieser Fragen mit einem klaren Ja beantwortet, dann kannst Du Dich überzeugt zum Team Kaltnasen zählen. Bist Du Dir nicht ganz sicher, aber doch mit einem oder mehrerer dieser Zustand vertraut, sei es zu bestimmten Jahreszeiten oder in Phasen außergewöhnlicher Belastungen, dann hast Du auf jeden Fall die Mindestanforderungen für eine Aufnahme in den Club der erfrorenen Kamerad:innen erfüllt. So oder so: Keine Sorge, Du bist in bester Gesellschaft. Kaltnasen gibt es viele. Man trifft sie immer und überall und erkennt sie leicht an ihrer Tendenz zu blaßem Gesicht und bläulichen Lippen. Sie wirken so, als wären sie ein bisschen erfroren…

Begegnet man einer Kaltnase, dann merkt man dies nicht nur am Händedruck, der an ein Stück Fleisch aus der Tiefkühltruhe erinnert, sondern man verspürt instinktiv den Drang, ihr sofort einen heißen Tee oder einen schützenden Mantel anzubieten. Genau aus diesem Grund tragen Kaltnase im Schnitt auch eine Schicht mehr als der Rest der Bevölkerung. Sie entscheiden sich lieber für die dickeren Socken, für die dickere Hose, für den dickeren Pullover oder für die dickere Jacke. Dazu natürlich Haube und Schal, vor allem wenn es windig ist. Und sogar im Sommer verzichten sie beim Schlafen ungern auf eine Decke, oft auch in Kombination mit kuscheligen Socken. Das ist jetzt nicht unbedingt die erotischste aller Abendbekleidungen, aber das stört echte Kaltnasen nicht, weil mit Lust und Leidenschaft ist das bei ihnen so eine Sache. Formulieren wir es diplomatisch: Sie gehen das Thema Sexualität weder mit südländischem Temperament noch mit jugendlichem Elan an. Das Kellergeschoss ist nämlich ebenfalls ein bisschen eingefroren.

Was den Kaltnasen fehlt ist: Yang. Hitze. Wärme. Energie. Ist das Yang abwesend, dominiert das Yin. Der Körper ist yin. Also kühl. Teilweise kalt. Manchmal sogar eiskalt. Bis hinein in die Knochen. Der Geist ist ebenfalls yin. Antrieb und Motivation sind so kraftvoll wie die Sonne im Dezember: Man kann sie zwar erahnen, aber eine spürbare Wirkung bleibt in den meisten Fällen aus. Das alles macht Kaltnasen nicht unbedingt zu den initiativsten oder lautesten Gesell:innen. Man findet sie selten an der vordersten Front eines turbulenten Geschehens. Kaltnasen haben Probleme damit, sich in Szene zu setzen, sich durchzusetzen, für etwas zu kämpfen – und sei es für sich selbst und die eigenen Bedürfnisse. Vielmehr sind sie hervorragende Ruhepole, die sich bevorzugt aus mehr oder weniger allem heraushalten. Auch aus ihrem Leben. Yang-Mangel bedeutet nämlich: Winterzustand im System. Alles ist auf Ruhe und Rückzug ausgerichtet. Aber wir skizzieren hier die Extremversion einer Kaltnase. Im Leben treffen wir eher auf gemäßigtere Exemplare. Oder Intervall-Kaltnasen. Die mal so, mal so sind. Je nach Jahreszeit oder Herausforderungen.

Auch das Alter macht einen Unterschied. Eine jugendliche Kaltnase steht anders im Leben als eine gereifte Kaltnase. Warum? Bis hin zu den Wechseljahren befinden wir uns in der Yang-Phase unseres Werdungsprozesses. Wir befinden uns im Frühling oder im Sommer unserer Existenz. Wir sind auf dem Weg in Richtung Blüte. Kälteperioden in dem Abschnitt des Jahres, in dem die Sonne stetig höher steigt, sind nicht so dramatisch wie Kälteperioden im Herbst oder im Winter, wo Licht und Wärme an sich schon Mangelware sind. Bei jüngeren Menschen befindet sich oft Kälte im Körper, die aber durch die generelle Lebendigkeit dieser Lebensphase ausgeglichen wird. Die unteren Etagen mögen ein zusammengeforener Eisklotz sein, aber der Dachstuhl brennt lichterloh.

Das lässt sich zur Zeit oft beobachten, weil sich gerade bei der Generation Z die vegane Ernährungsweise großer Beliebtheit erfreut und die ist von ihrer thermischen Wirkung her betrachtet nun einmal kühl, bei einem höheren Rohkostanteil sogar kalt. Da mag die Libido aufgrund des hormonellen Überschusses noch so aus den Poren quellen, da mag der von den Mahlsteinen des Alltags noch wenig zermürbte Wille die Welt aus den Angeln heben, sprich Überschuss vorhanden, aber trotzdem: Sechs Monate im Jahr plagen einen Erkältungen, Blasenentzündungen oder ein empfindlicher Verdauungstrakt. Der Stoffwechsel kann entgleisen, die Schilddrüse vor sich hinvegetieren. Oft verschlingen Kaltnasen mehr Antibiotika als die Tiere, die sie schonen wollen. Und was machen die Kaltnasen dann, wenn sie groß geworden sind?

Ab der Lebensmitte kann ein Yang-Mangel im System zu gröberen Problemen führen. Die Wechseljahre markieren den Übergang von der Yang-Lebensphase zu der Yin-Lebensphase. Wir wechseln die Seite. Vor allem wir Männer. Weil sich bei Männern als Yang-Archetyp dieser Wechsel wesentlich deutlicher ausdrückt. Ein Energieüberschuss steht uns dann nicht mehr zur Verfügung. Es gilt behutsam mit dem restlichen Yang umzugehen. Legen wir es durch eine falsche Ernährung oder andere Handlungsweisen aufs Eis, dann zahlen wir dafür einen entsprechenden Preis: Wir verlieren an Antrieb und gewinnen an Hüftgold. Wir tauschen Konsequenz gegen Inkontinenz. Der Rücken kann zu schmerzen beginnen. Oder die Gelenke. Vor allem am Morgen, weil sich der Körper so anfühlt, als hätte er eine frostige Nacht im Freien auf hartem Boden überstehen müssen. Alles ein bisschen klamm, alles ein bisschen steif, außer die primären Geschlechtsorgane, die hängen in den Seilen. Gut, dass es ein abwechslungsreiches Fernsehprogramm gibt. Idealerweise befindet sich das Sofa direkt neben dem Heizkörper. Sonst helfen Heizdecken oder Wärmflasche. Was will man eigentlich mehr?

Das ist generell eine gute Frage für Kaltnasen! Denn Kälte wirkt sich nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Psyche aus. Yang ist Power. Fehlt diese, dann fehlt der Willenskraft der entscheidende Treibstoff. Yang-Mangel schwächt den Mut und die Tatkraft. Yang-Mangel macht es schwerer, klare Entscheidungen zu treffen oder große Herausforderungen zu suchen. Yang-Mangel mag ungern Verantwortung übernehmen. In schweren Fällen kann durch ein Übermaß an Kälte sogar eine gewisse Ängstlichkeit entstehen, bis hin zu Panikattacken. Denn auch Gefühle haben eine thermische Qualität. Die Liebe wärmt uns. Die Angst ist kalt. Sie friert uns ein. Sie lähmt uns. Sie lasst das Blut in den Adern gefrieren. Sie läuft uns kalt den Rücken hinunter. Sie macht uns kalte Füße. Sie lässt uns schauern, zittern, beben, als würden wir frieren. Sie lässt uns in die Hose pinkeln. Sie dringt bis in das Mark ein, dort wo eigentlich der Mumm sitzen sollte. Und jetzt wird es interessant: Denn obwohl all diese Zustände in vielen Fällen reale Auslöser in der Außenwelt haben, können sie auch das Resultat einer bestimmten Ernährungsweise sein oder durch diese wesentlich verstärkt werden. Du bist, was Du isst. Karma a la Carte.

In der TCM ist es eine Tatsache, dass sich die Qualität unserer Ernährung auf allen Ebenen unseres Organismus ausdrückt. Im Körper wie im Geist oder eben in den Emotionen. Thermisch kalte Lebensmittel und Zubereitungsmethoden kreieren oder beeinflussen gewisse Gemütszustände. Angst ist die extremste Form eines Kältezustandes. Die milde Form wären Selbstzweifel, mangelnder Selbstwert oder eine gewisse Lebensunsicherheit. Aber wie soll man auch stolz und bestimmt auf eigenen Beinen stehen, wie soll man einen klaren Standpunkt beziehen und diesen vertreten, wie soll man sich mit dem Boden der Realität verbunden fühlen, wenn die Wurzeln des eigenen Systems leblos, kraftlos, kühl und bläulich sind? Es geht hier nicht um Schubladen. Es geht um Zusammenhänge. Mach Dir einfach selber ein Bild: Hast Du genügend Anzeichen einer Kaltnase in Dir? Falls ja, liegt die Lösung nahe: Mehr thermisch warme und heiße Lebensmittel, mehr yangige Zubereitungsmethoden. Hände weg von kalter Kost. Aufpassen mit dem Salz. Obacht mit yinnigen Zubereitungsmethoden. Und natürlich: Weg mit der Mikrowelle!

Hebst Du den Yang-Anteil in Deinem System, wird es Dir nicht nur die Nase danken. Denn Yang gilt in der TCM als die Wurzel des Immunsystems. Genügend Yang im Körper zu haben heißt, das sich überall Energie befindet. Tief drinnen. An der Peripherie. Mit mehr Yang-Energie wird der Körper vitaler und kraftvoller. Er kann dann besser mit Herausforderungen umgehen. Er kann sich anpassen und reagieren. Das gilt auch für die Psyche. Stichwort Resilienz. Und natürlich unterstützt das Yang das Verdauungsfeuer. Die Verdauungsorgane können mit dieser Hilfestellung besser verbrennen. Daraus resultiert wiederum in mehr Energie. Ein positiver Kreislauf, der sich auszahlt. Probiere die folgenden Empfehlungen für gut drei Monate aus. Und ziehe dann ein Resümee.


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